Thursday, October 13, 2016

Folge 93: Aha!

Auch seltsam. Da übernimmt vor Monaten schon ein bewährtes Team (bekannt aus dem Wein & Co. der mittleren Phase) ein bislang eher mäßig funktionierendes Lokal. Sorgt auf Anhieb für Furore. Und uns sagt keine/r was davon. 

Im Joanneumsviertel, das nach wie vor nicht wirklich mit Leben erfüllt ist, dafür aber mit mehr oder minder passenden Events, liefern Anna Winter und Anita Kurz mit ihrem "OHO!" offensichtlich eine sehr gute Performance ab. Eine Website gibt es nach wie vor nicht, aber auf Facebook überschlagen sich die Lobeshymnen des Publikums geradezu. Und so viel einhellige Begeisterung kann man wohl kaum faken, die muss man sich schon erarbeiten. Also nix wie hin mit uns an einem der wenigen spätsommerlich warmen Tage im Oktober. Draußen sitzen kann man hier ja besser und ruhiger als an den meisten anderen innenstädtischen Plätzen.

Das Service ist freundlich und recht gut aufgestellt. Das Beef Tartare, das im sozialen Netz so gepriesen wird, ist schon wirklich gut. Mit reichlich Kresse, ziemlich viel Zwiebel, herrlicher Fleischqualität überzeugt das Gericht trotz seines stolzen Preises (als Vorspeise € 13,90). Nur die Kapern sind uns irgendwie abgegangen... Dann gibt es Fischgulasch (als Tagesgericht € 7,90), das dezent daherkommt und wirklich sehr gelungen ist. Ein Fisch mit noch mehr Charakter wäre auch eine Option gewesen, aber wahrscheinlich ist es so für die Mehrheit der Gäste gerade richtig. Kräftig die Kalkulation für einen großen Apfelsaft gespritzt (€ 4,20), auch das Mineral (0,33 um € 2,70) ist preislich offenbar an das museale Umfeld angepasst worden.




Fazit: Wer ein gutes und unkompliziertes Essen schätzt, ist bei Anna und Anita im "OHO!" an der richtigen Adresse. Sehr günstige Tagesmenüs, die auf der Facebook-Seite stets zu Wochenbeginn angekündigt werden. Nur der Name tut ein bissl weh, finden wir jedenfalls.

OHO!, Joanneumsviertel 6, 8010 Graz. Tel. 0660/2661056, MO Ruhetag, SO geöffnet!

Thursday, October 6, 2016

Folge 92: Im Mondenschein

Schon ein gutes halbes Jahr ist es offen, das Isaan Thai Restaurant im früheren Mondscheinstüberl. Sehr vorsichtig näherten wir uns an, fragten zuerst Leute, die schon dort gegessen hatten. Aber nun im Oktober 2016 dürfen wir voller Stolz sagen: Wir waren auch dort. Und es war gut so.

Gleich vorweg: Manches ist optisch etwas gewöhnungsbedürftig, aber im Großen & Ganzen ist das Essen so wie es sein soll. Das gilt für die ziemlich gehaltvoll-dicke süß saure Suppe und für die recht elastischen Fischlaibchen mit schön scharfer Sauce. Und das gilt auch für das rote Curry mit annähernd perfektem Rindfleisch und für das Huhn mit Cashewnüssen ebenso. Während die Mittagsmenüs mit 7,20 € eine Okkasion sind, gehen a la carte Bestellungen allerdings ein wenig tiefer ins Geldbörserl. Zu zweit waren es dann schon 32 Euro, die wir für das zweigängige Essen locker machten. Sehr positiv: Das Service ist zwar durchaus schräg unterwegs, aber flott und freundlich.

Fazit: Das war nicht der letzte Besuch bei Küchenchefin Sanguan Suha...

Isaan Thai Restaurant, Klosterwiesgasse 13, 8010 Graz. Isaan Thai Restaurant auf FB

Thursday, September 29, 2016

Folge 91: Willkommenskultur in der Geschichten-KÜCHE

Ach du liebes Bisschen, schon wieder ein halbes Jahr verflogen seit unseren letzten Beisl-Geschichten. Aber jetzt kommt wieder etwas mehr, versprochen liebe Leserschaft. Den Anfang macht der steirische herbst. Der hat nämlich entdeckt, dass Lend, genauer das sogenannte Annenviertel, für viele Migranten und Migrantinnen in Graz die erste Anlaufstelle, der erste Wohnort ist. Ob das an der Nähe zum Bahnhof liegt oder an bereits vorhandenen Communities und eher günstigen Wohnpreisen, sei mal dahingestellt. Die "Arrival Zone", die der herbst in Kooperation mit der Kulturinitiative rotor rund um den Volksgarten deklariert hat, reicht bis zum Lendplatz. Um es ganz konkret zu sagen: Das Bakaliko, üblicherweise ein charmantes griechisches Beisl, wird für knapp drei Wochen zum kulinarischen Zentrum der Willkommenskultur.

Evi Papanagiotou kocht, was eine Gruppe von etwa 20 Frauen aus verschiedenen Ländern an Familienrezepten geliefert haben. Kate Howlett-Jones schrieb die dazugehörigen Geschichten. Maryam Mohammadi hat das Resultat fotografiert. Die Grafik der Rezeptkarten, die man vor Ort bekommt, stammt von Sara González Novi. Bis zum 16. Oktober kann man so spannende internationale Küche kennenlernen, zum Preis von unter 10 Euro für das Tagesgericht.

Wir testeten das Couscous mit Huhn und Gemüse. Klingt unspektakulär ist aber mit Curcuma, Baharat, Pastinaken und Granatapfelstückchen ein farbenfrohes exotisches Vergnügen für den Gaumen. Die Karotten gehen eine sehr angenehme Mischung mit dem Couscous ein, das ganze wird mit Ayran geliefert, den man dazu trinken oder aber darüber gießen kann. Das ganze gibt es auf Wunsch auch in vegetarischer Ausführung. Prädikat: Sehr empfehlenswert.

Bakaliko, Lendplatz 1, 8020 Graz. 

Die Gerichte des kommenden Tages finden sich auf der Facebook-Seite https://www.facebook.com/bakaliko.at

Mehr zur Arrival Zone im herbst: http://steirischerherbst.at/deutsch/Programm/Haus-der-offenen-Tore

Foto: ©steirischer herbst 2016

Sunday, April 24, 2016

Folge 90: Auf Reisen, Teil 2

Wenige Tage nach dem Trip nach Valencia geht es in das deutlich kleinere Zgornja Kungota. Die Ortschaft liegt in den slowenischen Weinbergen gleich hinter der steirischen Grenze. Wer sich die Autobahnmaut sparen will, fährt bei Spielberg ab und dann bergauf und bergab zum Hisa Denk. Dass man dort fabelhaft isst, wissen bereits viele, der Parkplatz ist gut gefüllt von Autos mit Grazer Kennzeichen. Die 45 Minuten Anfahrtszeit nimmt man gerne auf sich, wenn Küchenchef Gregor Vracko seinen Humor, seine Gastfreundschaft und sein Können auspackt.

 

Im Vergleich zum spanischen Kollegen kommt Vracko bei seiner Menügestaltung mit 6 Gängen aus. Eine feine Bärlauchsuppe, fantastisches Lamm, eine zarte Jakobsmuschel, ein Spargel, der kunstvoll aus Spargelcreme zusammen gebastelt wurde und jede Menge grandioser Saucen und Sößchen werden uns noch lang in Erinnerung bleiben. Dazu gibt es sehr gute Weine, nicht wenige aus der Steiermark übrigens. Zum Finale gibt es eine spiegelnde Schokokugel mit Eis und intensiven Erdbeeren, die auch in Valencia für Furore sorgen würden. Wenn man schon eine Art Länderkampf konstruieren will: Beim Service gewinnt Slowenien klar gegen Spanien. Das Denk-Team spricht ausgezeichnet deutsch, ist flink und angenehm locker. Und das Essen ist in Summe mindestens so spannend, wenn auch nicht so intensiv und laaaaange wie bei Camarena. Große Empfehlung! 


 

Folge 89: Auf Reisen, Teil 1

Valencia im April 2016. Man führt uns zu Ricard Camarena. Der Mann hat einen Stern von Michelin und sich auch sonst viel Ruhm und Ehre erkocht in den vergangenen Jahren. Wie es dem internationalen Trend entspricht, nennt er nicht nur ein stylishes Spitzenrestaurant sein eigen, sondern auch ein Beisl gleich auf der Rückseite des Gebäudes, wo es einfacher (und billiger) zugeht.

Im Restaurant beeindruckt er mit drei Grüßen aus der Küche, einer intensiven Hühnersuppe, viel Fisch (Thun- und Stockfisch), einem zarten Pilzgericht, wenig Fleisch (Ente als Hauptgang) und mit spannenden Kombinationen. Da darf die Erdbeere sich mit der Zwiebel paaren und die Beeren beim Dessert werden mit Lavendel gemischt. Das ganze ist aromen- und ideenreich – und wird mit reichlich Brimborium serviert. Die Kellner stellen sich steif auf und sagen die einzelnen Bestandteile der Gerichte in einem Englisch auf, das man nur äußerst schwer versteht. Der Spruch "weniger ist mehr" gilt auch hier. Und zwar sowohl bei der Einrichtung, die einem Sophia Coppola Film entsprungen sein könnte. Als auch bei den dargereichten Gängen, die einen am Ende trotz ihrer Mini-Dimension übervoll zurücklassen. Auch wenn Camarena vorrangig regionale Produkte verwendet, der "spanische" Touch kommt für uns Touris hier etwas zu kurz.

Ein kulinarisches Erlebnis, das man nicht missen möchte, war es natürlich trotzdem – aber richtig authentisch und gut haben wir am nächsten Tag gegessen, als es zur Arrocería Duna ans Meer ging. Eine Riesenpaella, interessante Vorspeisen und exquisite Desserts sind ein weiterer Beleg dafür, dass die valencianische Küche sich in den vergangenen Jahren rundum positiv entwickelt hat. Auch ohne Chi-chi, 15 Gänge und Holzpflöcke, die als Sichtschutz von der Decke baumeln.


Bildergalerie Ricard Camarena: Was mit Erdbeeren, was mit Fisch, was mit Pilzen und was mit Beeren. Fotos: Haubentaucher.at

 

 

Thursday, March 3, 2016

Folge 88: Im grünen Haus

Die Grazer Küche war die längste Zeit bekannt für Schnitzel, Kernöl und Pizza, doch langsam tut sich mehr. Besonders die Vegetarier und Veganer (-innen) bekommen immer mehr Auswahl. Glücklicherweise, denn es muss wirklich nicht (immer) Fleisch aus zweifelhafter Herkunft sein. Das Ginko in der Grazbachgasse gilt als einer der Pionierbetriebe in Graz - und wie es mittlerweile so Usus ist, hat man nun auch eine Dependance in der Innenstadt eröffnet. Unter zwei bis drei Lokalen tut es kaum eine Wirtin oder ein Wirt mehr. Das Greenhouse in der Altstadt-Passage (unweit des Zentralkartenbüros und vis á vis des Mau Shi) bietet auf zwei Ebenen selbstgepresste Säfte, Fairtrade Kaffee, veganes Frühstück und ein Mittagsmenü samt ein paar Alternativen. Alles ohne totes Tier und in sehr guter Qualität. Das Ambiente schwankt etwas zwischen den letzten Wellen des Hipstertums und einer Retro-Konditorei, ist aber jedenfalls gemütlich und derzeit noch nicht völlig überlaufen. Wir testeten eine hervorragende Rote-Rübensuppe (3,80 EUR) und ein Berglinsen-Chili mit Buchweizen (5,80 EUR). Beides sehr schön gewürzt, nett anzusehen und gut verträglich. Auch die Falafel-Bowl wurde von der Begleitung gelobt. Dazu gibt es kostenloses Wasser oder eben gesunde Säfte. Das asiatisch ausgerichtete Mau Shi, das sich derzeit essenstechnisch auch sehr gut schlägt, hat hier Konkurrenz bekommen, die hoffentlich belebt und nicht für vegetarische Kannibalisierungseffekte sorgt.

Website Greenhouse

Monday, February 1, 2016

Folge 87: Wiedersehen beim Mohrenwirt



Ein Klassiker der Grazer Gastronomie ist seit einigen Wochen wieder da: Der Mohrenwirt, einst gleichermaßen beliebt bei Studierenden, Beamten, Kulturschaffenden und Pensionisten, hatte in den letzten Jahren kulinarisch kaum mehr überzeugt - und war schließlich geschlossen worden. Vorbei die Zeiten als selbst Mr. Cobain aus dem fernen Seattle am Mariahilferplatz Hausmannskost genoss. Das Comeback wurde begleitet von deutlichen Renovierungsversuchen, vor allem der Eingangsbereich ist gelungen. Im Inneren ist mit der entfernten Patina auch ein wenig an Charme verloren gegangen, aber beides wird wieder kommen, wenn das Wirtshaus nur lange genug offen hat.  


Nun aber zum Wesentlichen in der Gegenwart: Dem Essen. Die Karte ist überschaubar und mit spaßig benannten Gerichten wie „Spießiga Steira“ oder „Da Jaga“ bilden bodenständige Gerichte das Hauptprogramm. Wie es sich für eine solche Institution gehört, haben wir einmal „z´Mittag – das Tagesgericht“ und einmal a la carte bestellt. Das Mittagsmenü kommt mit Suppe oder Salat um 9 EUR und zwar in unserem Fall: Rindsuppe mit Polentaschöberl und Putenschnitzel mit getrüffelten Gnocchi. Sowohl Suppe als auch Schnitzel waren solide, wenn auch optisch nicht gerade sehr ansprechend. Die Schlaghaube für den Saft beim Schnitzel erschien selbst uns alten Herren schon etwas gar retro.

 


Die Rindsuppe mit Chili-Grammelstrudel hat es leider nicht auf den Tisch geschafft, dafür war der bestellte Beilagensalat zum „Mohrenschmaus“ groß genug. Tafelstück, Schilcherkraut und Brennsterz waren am Teller erkennbar. Das in der Karte angekündigte Selchwürstel wurde durch ein Blunzenradl und eine Scheibe Geselchtes ersetzt. Geschmacklich kein Problem, aber ein kleiner Hinweis wäre angebracht gewesen.  Fazit für das Essen: Guter Durchschnitt, nicht mehr und nicht weniger. Beim ersten Testbesuch lief das Service gut, beim zweiten geriet das Werkl offenbar krankenstandsbedingt ziemlich aus dem Ruder. Ein wenig mehr Bezug zur Historie des Hauses wäre übrigens auch wünschenswert. Nichts gegen den Kaffeekuchen als Dessert, aber die hierorts früher äußerst populäre Gibanze wäre dann halt doch noch was anderes. 

Zum Hipsterlokal, wie mancherorts kolportiert, wird der neue alte Mohrenwirt eher nicht werden. Aber die Stammgäste sowie generell Menschen, die Tradition zu schätzen wissen, sollten dem Lokal eine Chance geben. Und dabei ruhig das eine oder andere einfordern, dass zu einem wirklich guten Grazer Gasthaus gehört.

Sterz im Mohrenwirt, Mariahilferstraße 16, 8020 Graz. Geöffnet DI-SA 10-24 Uhr, www.facebook.com/Sterz-im-Mohrenwirt



UMT & WOK